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Freitag, 30.07.2010
High noon für lebende Fossilien?
Relikte aus der Urzeit vom Aussterben bedroht

Mehr als 200 Quastenflosser sind in den letzten 25 Jahren vor den Komoren gefangen worden. Bei einem Gesamtbestand von vielleicht 500 bis 1.000 Tieren in der Region eigentlich viel zu viel. Und noch ist kein Ende der Jagd auf die Fische aus der Urzeit in Sicht, denn sie sind begehrt wie noch nie.

Wissenschaftliche Institute weltweit sind zu Forschungszwecken genauso an Latimeria interessiert wie Privatleute. Letztere sind – aus welchen Gründen auch immer - bereit, auf dem Schwarzmarkt Summen für ein einzelnes Exemplar zu bezahlen, die ein normales Jahreseinkommen der einheimischen Fischer weit übertreffen. Um die Verfolgung der seltenen Urzeitfische wenigstens ein wenig einzudämmen, hat die United Nations Convention on International Trade in Endangered Species (CITES) am 19. April 2000 jeglichen internationalen Handel mit den lebenden Fossilien verboten.

Australischer Lungenfisch 
Australischer Lungenfisch
© Jean Joss / Macquarie University
Auch der australische Lungenfisch, dessen Vorfahren bereits vor 400 Millionen Jahren die Urgewässer bevölkerten, gehört zu den geschützten, aber trotzdem außerordentlich gefährdeten Tierarten. Er lebt heute nur noch in den engen weit abgelegenen Flusssystemen im Hinterland von Queensland. „Es gibt hier heute noch eine ganze Menge von ihnen“, sagt Professorin Jean Joss von der Abteilung für Biowissenschaften der Macquarie Universität, eine der renommiertesten Lungenfischexpertinnen weltweit, „aber es handelt sich um erwachsene Tiere, die sehr lange leben. Wenn sie nicht laichen, sind sie vielleicht eher verschwunden als man denkt.“

Joss hat im australischen Outback einige der Populationen des Lungenfisches untersucht und festgestellt, dass die Laichraten teilweise dramatisch abnehmen. Darüberhinaus werden viele der Jungfische bereits von Feinden gefressen, lange bevor sie die Geschlechtsreife erreichen. Dies erklärt die deutliche Abnahme der Individuenzahl in den letzten Jahren, für die bisher vor allem Veränderungen in der Wassertemperatur verantwortlich gemacht wurden.

„Sie sind Relikte aus der Vorzeit und haben es bisher gerade so geschafft zu überdauern“, so Joss weiter. „Offensichtlich sind sie besonders ’zähe Burschen’, weil sie schon so lange leben wie sie mittlerweile leben. Und sie können noch unter Bedingungen existieren, unter denen andere Fische längst kapitulieren.“ Sorgen bereitet Joss jedoch beispielsweise die zunehmende Wasserverschmutzung in den Rückzugsgebieten der Lungenfische. Wie sich jedoch die Eingriffe des Menschen in den Lebensraum der Tiere konkret auf die Überlebenschancen auswirken, weiß die Forscherin bisher noch nicht.

Neben der zunehmenden Umweltverschmutzung sind es vor allem die immer kleiner werdenden Lebensräume oder das Verschwinden ihrer Nahrungsgrundlagen, die lebende Fossilien wie Lungenfische, Tapire oder Pfeilschwanzkrebse bedrohen. Selbst in den entlegensten Winkeln der Erde sind sie heute nicht mehr sicher.

„Für lebende Fossilien ist es vielleicht ein Vorteil, dass sie oft genug in scheinbar katastrophensicheren Lebensräumen beheimatet sind, wo der Mensch zumindest derzeit nur relativ selten eindringt. Für die lebenden Fossilien besteht aber mit Sicherheit ein Nachteil darin, dass die in der Vergangenheit bewiesene geringe Entwicklungsdynamik sie auch in Zukunft daran hindert, sich Veränderungen des Lebensraumes anzupassen oder aus einem zerstörten Lebensraum in einen anderen auszuweichen“, sieht denn auch Professor Kurt Heißig von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Historische Geologie der Ludwig-Maimilians-Universität in München die Zukunft der lebenden Fossilien eher zwiespältig.

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