Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 09.02.2010
Klimaanlagen für Termiten-Türme
Kompliziertes Belüftungssystem sorgt für Frischluft

Termitenhügel in Australien 
Termitenhügel in Australien
© Katherine Northern Territory  Termitenhügel in Australien
Bis zu 300 Liter Sauerstoff täglich benötigt ein Termitenbau, damit die Millionen von Individuen in seinen zahlreichen Gängen, Korridoren und Zellen überleben können. Doch die Bauten der Tiere liegen häufig unterirdisch oder sind von einer knochenharten äußeren Hülle umgeben.

Dennoch gelingt es den Termiten immer genügend Sauerstoff hinein und giftiges Kohlenstoffdioxid hinaus zu schaffen. Verantwortlich dafür ist eine ausgeklügelte „Klimaanlage“, die die Bauten mit Frischluft beliefert und zu dem für perfekte Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgt.

Belüftungssystem schafft perfektes Mikroklima
Im Keller des Termitenbaus wohnen und arbeiten die meisten Tiere. Hier befinden sich beispielsweise die Pilzgärten, hier wird aber auch die Brut aufgezogen. Dementsprechend herrscht im Untergeschoss oft „dicke Luft“. Im Mittelpunkt des Belüftungssystems in den Termitenbauten steht deshalb häufig ein zentraler Kamin, der hier seinen Ursprung hat. In ihm steigt die warme, Kohlenstoffdioxid-reiche Luft aus dem Untergeschoss des Baus auf, die anschließend weiter oben über zahlreiche Seitengänge zur Seite abfließt.

An der Außenwand des Baus angekommen, kühlt sich die Luft ab und sackt dann durch vertikale Tunnel allmählich wieder nach unten. Über winzige Poren in der Nesthülle gelangt Sauerstoff in den Luftstrom und CO2 und Methan werden laufend entsorgt. Das so aufgepeppte Gasgemisch setzt seinen Weg abwärts fort und erreicht schließlich wieder den Keller des Termitenbaus. Anschließend beginnt der ganze Kreislauf von vorn.

 Termitenhügel
Termitenhügel
© Katherine Northern Territory  Termitenhügel
Die Termiten sind so in der Lage, das Mikroklima im Inneren des Baus genau auf ihre Belange einzustellen. Bei vielen Termitenarten herrschen darin Temperaturen von um die 30° C und eine Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 Prozent, so haben Forscher ermittelt. Selbst unter extremen Umweltbedingungen oder bei großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht variieren diese Werte im Laufe des Tages nur geringfügig. Droht dennoch einmal eine zu starke Abkühlung oder eine Überhitzung des Baus, greifen Arbeiter-Termiten ein, indem sie beispielsweise die Belüftungsgänge verschließen oder zusätzliche öffnen.

Sollte es in der Umgebung der Termitenbauten an Niederschlägen mangeln, können viele Termitenarten unterirdische Grundwasserreserven anzapfen, um die Luftfeuchtigkeit im Bau stabil zu halten. Wissenschaftler haben teilweise über 30 Meter tiefe Schächte unter den Termitenbauten gefunden, die nur einem Zweck dienten: der Wasserversorgung.

Orientierung am Erdmagnetfeld
 Ein Werk von Kompasstermiten
Ein Werk von Kompasstermiten
© Katherine Northern Territory  Ein Werk von Kompasstermiten
Einen besonderen Trick zur Klimaregulierung ihrer Nester haben sich die Kompasstermiten Amitermes meridionalis einfallen lassen, die in den Savannen Nord-Australiens leben. Ihre Bauten sind circa drei Meter hoch und drei Meter lang, aber nur 20 bis 30 Zentimeter breit. Sie sind streng nach dem Erdmagnetfeld ausgerichtet, wobei ihre Längsachse genau in Nord-Süd-Richtung liegt.

Das hat den Vorteil, dass die Sonne sowohl am frühen Morgan als auch am späten Nachmittag die Breitseite der Hügel bescheint und so den Bau erwärmt. Zur heißesten Tageszeit um den Mittag herum dagegen, wird nur der schmale „Gipfelgrat“ von der Strahlung getroffen und die Temperatur im Inneren der Termitenhäuser bleibt erträglich.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Termiten
Lichtscheue Teamworker mit großem Hunger
Das große Krabbeln an der Elbe
Termitenland Hamburg
Leben in Kasten
Termiten als soziale Insekten
Alles nur Geschwister
Fortpflanzung und Brutpflege der Termiten
Klopfzeichen und charakteristische Düfte
Wie Termiten kommunizieren
Teamarbeit Termitendarm
Symbiose ermöglicht Holzfressen
Tiere, Pilze, Vibrationen
Wie sich Termiten ernähren…
Klimaanlagen für Termiten-Türme
Kompliziertes Belüftungssystem sorgt für Frischluft
Gefährliche Termiten?
Von Methan-Schleudern und Naphtalin-Produzenten
Fressen und Gefressen werden
Termiten und ihre Feinde
Top-Diaschauen
Asteroid Apophis
2012 und die Maya
Erdbeben
Urahnen des Menschen
Dinosaurier
Aktuelle Dossiers
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen
Klima: Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?
Die Erde nach uns
Was bleibt von der menschlichen Zivilisation?
Der Friedhof der Fischsaurier
Eine paläontologische Spurensuche im chilenischen Nationalpark Torres del Paine
Mustererkennung
„Mustergültige Erkenntnis“ in Astrophysik, Musik und Medizin
Mythos „2012“
Die Maya, der 21. Dezember 2012 - und die Fakten
Stahl ganz neu
Rezepte für das Autoblech von morgen