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Freitag, 30.07.2010
Ein tiefgekühlter „Fürst“ aus dem Eis
Deutscher Archäologe mit Sensationsfund

Es war vielleicht die Archäologische Sensation des Jahres 2006: Ende Juli entdeckte ein internationales Wissenschaftlerteam um Professor Hermann Parzinger vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) im Altaigebirge die Mumie eines blonden Kriegers aus dem legendären Reitervolk der Skythen. Die Relikte des „Fürsten aus dem Eis“ lagen in einer Grabkammer eines intakten Eiskurgans (Grabhügel) auf 2.600 Metern Höhe im Dreiländereck Mongolei, China und Russland. Etwa 2.500 Jahre hatte der Verstorbene dort im Permafrostboden heil überstanden - und wurde dabei sogar vorzüglich konserviert.

Konserviert für die Ewigkeit
 Fürst aus dem Eis
Fürst aus dem Eis
© DAI  Fürst aus dem Eis
Der Mann war jung, zwischen 30 und 40 Jahre alt, blond und gehörte vermutlich der Oberschicht an. Der Krieger trug einen prachtvollen Pelzmantel und vergoldeten Kopfschmuck, dazu Hosen, Filzstiefel, im Köcher die Pfeile für seinen Bogen, am Gürtel Dolch und Streitaxt. Das Grab enthielt sogar Fleischreste und Geschirr. „Der Fund erlaubt uns damit einen einzigartigen Einblick in die Welt dieser Menschen", erläutert Parzinger.

Nach den Untersuchungen der Wissenschaftler stammte der Fund vom Beginn des 3. Jahrhunderts vor Christus und konnte von den Archäologen daher der skythenzeitlichen Pazyryk-Kultur im Altaj zugeordnet werden. Die Skythen und die mit ihnen verwandten Völker prägten vom 8. bis 3. Jahrhundert vor Christus die Geschichte der eurasischen Steppe. Der Lebensraum des Reitervolkes reichte von seinen Ursprüngen im Süden Sibiriens entlang des Jenisseis bis an die Tore Mitteleuropas.

Grabmäler und Eismumien
Die Skythen-Könige und -Fürsten wurden nach ihrem Tod mit einem beeindruckendem Zeremoniell und prunkvollen Gegenständen aus Gold bestattet. Dies hatten bereits frühere Ausgrabungen von Archäologen gezeigt, bei denen neben mächtigen Grabmälern und Eismumien auch hervorragend konservierte Bestandteile der Kleidung, prachtvoll verzierter Pferdeschmuck und andere Gegenstände aus Holz, Textil und Leder ans Tageslicht kamen.

Der von Parzinger neu entdeckte Skythenkrieger wurde mit allen anderen wertvollen Fundstücken nach Ulan Baator gebracht und dort konserviert und restauriert. Nach Ansicht der beteiligten Wissenschaftler handelt es sich um eine Entdeckung, die nur mit dem Ötzi-Fund vor 16 Jahren in den Alpen vergleichbar ist. Der Archäologe Parzinger nennt den Fund schlicht „fantastisch".

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