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Freitag, 30.07.2010
Wer bietet weniger?
Die Reduktionsziele der wichtigsten Akteure in Kopenhagen

Eigentlich ist es eine einfache Rechnung: Man nehme den Wert, der nach Ansicht der Klimaforscher mindestens nötig ist, um das Klimaschutzziel zu erreichen. Dann verteile man Reduktionsverpflichtungen an die verschiedenen Emittenten, bis diese am Ende den Sollwert ergeben. Konkret liegt dieser Sollwert nach Berechnungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) für die Industrieländer bei einer Reduktion von 20 bis 45 Prozent bis 2020 bezogen auf das Jahr 1990. Bis 2050 gilt sogar eine Verminderung um 80 Prozent als notwendig. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer gibt es noch keine festen Vorgaben, klar ist aber, dass auch sie auf eine CO2-ärmere Wirtschaftsweise umstellen müssen, soll der globale Klimaschutz Erfolg haben.

Chinas boomende Wirtschaft erzeugt auch steigende Emissionen 
Chinas boomende Wirtschaft erzeugt auch steigende Emissionen
© Peter Morgan/CC-by-SA 2.0  Chinas boomende Wirtschaft erzeugt auch steigende Emissionen
USA und China: Bestenfalls ein erster Schritt
Doch die Angebote und Verhandlungspositionen am Beginn des Kopenhagen-Gipfels liegen bis auf wenige Ausnahmen weitab vom Sollkurs. So kündigte die lange zögerliche USA zwar eine Minderung der Treibhausgas-Emissionen von 17 Prozent bis 2020 an, dies aber im Vergleich zum Jahr 2005. Bezogen auf das Solljahr 1990 entspricht dies gerade einmal vier Prozent – für einen der größten Emittenten weltweit kein sonderlich großer Schritt.

Und auch Chinas Angebot klingt besser als es ist: Das Schwellenland will seine Emissionen bis 2020 um 40 bis 45 Prozent reduzieren – allerdings auch mit dem Bezugsjahr 2005 und zudem relativ zur Wirtschaftsleistung. Im Klartext bedeutet dies, dass zwar für jeden erwirtschafteten Yuan weniger CO2 emittiert wird, aber da die Wirtschaft Chinas zurzeit um acht Prozent wächst, bleibt am Ende nur eine Netto-Reduktion von sechs bis 13 Prozent übrig. Zudem handele es sich um „eine freiwillige Maßnahme“, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, verbindliche Verpflichtungen wolle man nicht eingehen.

Aber immerhin: Nach Jahren des Mauerns seitens der beiden Länder könnte man diese Angebote auch als Anzeichen dafür sehen, dass hier ein Umdenken stattgefunden hat. „Wir hoffen, dass die chinesischen wie auch die amerikanischen Ankündigungen erste Schritte zu weitergehenden Reduzierungen darstellen“, erklärten denn auch EU-Ratspräsident Fredrik Reinfeldt und Kommissionpräsident Josè Manuel Barroso im Vorfeld des Gipfels.

 Kraftwerk in Russland. Noch zehrt der Ostblock vom Emissionseinbruch nach 1989.
Kraftwerk in Russland. Noch zehrt der Ostblock vom Emissionseinbruch nach 1989.
© gemeinfrei  Kraftwerk in Russland. Noch zehrt der Ostblock vom Emissionseinbruch nach 1989.
EU und Russland auf Kurs?
Apropos EU: Im Verhältnis zu den USA und China steht die EU mit ihren Reduktionszielen geradezu vorbildlich dar – wenn die Versprechungen auch umgesetzt werden: Die 27 EU-Staaten wollen ihre Treibhausgas-Emissionen bezogen auf das Jahr 1990 um 20 Prozent verringern. Sollten sich andere Industrieländer in ähnlichem Maße verpflichten, sollen es sogar 30 Prozent werden. Deutschland, der größte CO2-Emittent in Europa, hat Anfang Dezember im Bundestag das Ziel bekräftigt, bis 2020 seine Emissionen um 40 Prozent zu senken.

Russland sagt sogar 25 Prozent Minderung gegenüber 1990 zu bis zum Jahr 2020 zu, profitiert aber ohnehin noch von den Emissionseinbrüchen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. In der aktuellen Treibhausgasbilanz des UN-Klimasekretariats wird das Land für 2007 mit einem Minus von 33,9 Prozent gelistet, könnte also seine Emissionen sogar noch ein wenig erhöhen.

Stau in Indien: Das Schwellenland ist in die Liga der Großemittenten aufgerückt. 
Stau in Indien: Das Schwellenland ist in die Liga der Großemittenten aufgerückt.
© GFDL  Stau in Indien: Das Schwellenland ist in die Liga der Großemittenten aufgerückt.
Schwellenländer: Zusagen an Bedingungen geknüpft
Weniger rosig sieht es bei den drei großen Schwellenländern neben China - Indien, Brasilien und Südafrika - aus. Sie lehnten im Vorfeld der Konferenz verpflichtende Reduktionsziele ab und koppeln etwaige Zusagen an eine technologische und finanzielle Unterstützung seitens der Industrieländer. Sie wollen sich nur dann auf Reduktionen festlegen, wenn die Industrieländer ihre Emissionen um mindestens 40 Prozent bis 2020 senken. Zwar kündigte Indien an, seinen CO2-Aussstoß ähnlich wie China relativ zur Wirtschaftsleistung verringern zu wollen, doch dabei handele es sich um eine Erklärung ohne rechtliche Folgen, so Indiens Umweltminister Jairam Ramesh am 3. Dezember 2009 im Parlament von Neu-Delhi.

Insgesamt summieren sich die bisherigen Angebote der Industrieländer nur auf eine Reduktion von zehn bis 24 Prozent. Das liegt unter dem Minimalziel der Klimaforscher mit 20 bis 45 Prozent und weit unter den Forderungen der Schwellen- und Entwicklungsländer. Was also kann Kopenhagen überhaupt erreichen?

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