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Neben der Grundsatzdebatte, ob Genpatente prinzipiell ethisch vertretbar sind oder nicht, geht es in der aktuellen Diskussion auch immer wieder um die Frage, welche Auswirkungen zu weit gefasste oder aber zu restriktive Patentgesetze insbesondere auf die medizinische Forschung haben könnten.
Die Kooperation und der freie Informationsfluss zwischen verschiedenen Forschern und wissenschaftlichen Arbeitsgruppen wird von vielen Wissenschaftlern als ein wichtiger Impuls für neue Erkenntnisse und Fortschritte in der Forschung angesehen. Ob die zunehmende Patentierung diese Kooperation hemmt, hängt nach Ansicht von Rebecca Eisenberg von der Universität von Pennsylvania davon ab, wie sehr die Patentbesitzer dies als eine Bedrohung oder Konkurrenz empfinden. "Rein theoretisch ist es im ureigensten Interesse des "Besitzers" eines potentiell nützlichen Gens, dass andere Zugang dazu erhalten, denn über Lizenzgebühren profitiert er davon."
Solange jedoch nur die Sequenz entschlüsselt ist und noch keine Funktion gefunden wurde, eröffnet der freie Zugang zu dieser Sequenz die Möglichkeit, dass andere Forscher Funktionen und Einsatzmöglichkeiten entdecken und sich diese als eigene Patente sichern, bevor es der ursprüngliche "Entschlüsseler" tun kann. Daher sehen Eisenberg und andere Bioethiker besonders für diese frühe Phase der medizinischen Forschung eine Verschärfungn des Konkurrenzdenkens und eine deutliche Tendenz zum Sichabschotten.
Erste Folgen beobachten sie schon jetzt: "Wissenschaftler, die normalerweise Forschungskollegen sind, werden zu wirtschaftlichen Konkurrenten, die um kommerzielle Vorteile rivalisieren. Einige Studien haben gezeigt, dass gleichzeitig auch die Versuchung zunimmt, Untersuchungsergebnisse zurückzuhalten oder sogar zu verfälschen. Die Neigung, entscheidende Forschungsmethoden oder Biomaterialien auszutauschen, nimmt dagegen deutlich ab."
Viele Gegner von Genpatenten, darunter auch die Umweltorganisation Greenpeace, befürchten, dass sich dieses Konkurrenzdenken und der Unwillen, Forschungsergebnisse offenzulegen, auch über den Bereich der Grundlagenforschung hinaus auswirken könnte. Werden beispielsweise über Patente auf Gene auch diagnostische Verfahren kontrolliert, erstrecken sich die Folgen unter Umständen sogar auch auf die Qualität der medizinischen Versorgung.
So fürchten Ärzte in England bereits eine Verdoppelung der Kosten, wenn die Firma Myriad Genetics ihre Patentanträge auf die beiden Brustkrebs-Gene BRCA1 und BRCA2 durchsetzt. Myriad hat bereits exklusive Vermarktungsrechte für Behandlungsmethoden, die auf dem BRCA1-Gen beruhen, an die Firma Eli Lilly & Co. vergeben. Unabhängigen Forschern wurde dagegen die Verwendung des Diagnosetests verwehrt...
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