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Freitag, 30.07.2010
Blutdruck-Pusher hilft auch beim Wiedererkennen
Vasopressin unterstützt soziale Kommunikation
Einem internationalen Wissenschaftlerteam ist es gelungen, eine bisher unbekannte Funktion von Vasopressin nachzuweisen: Das spezielle Peptid wirkt als Signalmolekül auch innerhalb des Gehirns und beeinflusst unter anderem das soziale Zusammenleben bei Nagern, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin „Nature“.

Labormaus
Labormaus
© NCI Labormaus
Das im Gehirn gebildete, aus neun Aminosäuren bestehende Peptid Vasopressin war lange Zeit nur als nierenwirksames Hormon oder als stark blutdrucksteigernde Substanz bekannt, doch dann wurde immer deutlicher: Vasopressin kann mehr. Es wirkt als Signalmolekül auch innerhalb des Gehirns und sorgt dort für die Regulation der Körpertemperatur, aber auch für die Steuerung von Emotionen und die Antwort auf Stress. Naheliegend, dass Vasopressin mit psychischen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht wird, mit Depression zum Beispiel und mit Autismus.

Vasopressin kontrolliert Verarbeitung von Duftstoffsignalen
Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Schottland, Japan und Deutschland den bereits bekannten Funktionen eine bisher unbekannte hinzugefügen: Vasopressin kontrolliert im Gehirn die Verarbeitung von Duftstoffsignalen, die das soziale Zusammenleben bestimmen. Zunächst bei Labornagern erkundet, gibt es erste Hinweise darauf, dass dieses Prinzip auch für den Menschen Bedeutung hat.

Zwar wusste man schon seit längerem, dass spezielle molekulare Empfänger – Rezeptoren - für Vasopressin im Riechkolben existieren, in dem Bereich des Gehirns also, der mit den Sinneszellen in der Riechschleimhaut der Nase zusammenarbeitet. Unklar aber war, woher das den Rezeptoren zugedachte Vasopressin stammt und wie es dort die Duftwahrnehmung beeinflusst.

Nervenzellen produzieren Vasopressin
Unter Verwendung spezieller Rattenmutanten gelang es nun erstmals, in unmittelbarer Nähe zu den Rezeptor tragenden andere Nervenzellen nachzuweisen, die das Vasopressin produzieren. Dort freigesetzt, erleichtert es das Wiedererkennen von Artgenossen - eine Beobachtung, die von Forschern der Medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg gemacht wurde. Das Team um Professor Mario Engelmann ging diesem Phänomen nach und fand dabei heraus, dass Vasopressin ein wichtiges Signalmolekül in einem „Filtersystem“ ist, das bei wiederholtem Kontakt mit Artgenossen gleichsam angeschaltet wird.

„Vermutlich ist der von Vasopressin kontrollierte Filtermechanismus nicht auf das von uns untersuchte Hirnareal beschränkt, sondern spielt auch in anderen Gehirnbereichen eine Rolle, zum Beispiel in solchen, die in die Entstehung von Emotionen direkt eingebunden sind. Wir haben überzeugende Hinweise darauf, dass Störungen dieses Systems für eine Reihe von psychischen Erkrankungen verantwortlich sind“, erklärt Engelmann.

Noch nicht alle Geheimnisse gelüftet
Sein Forscherteam wird die Kooperation mit den Kollegen aus Schottland und Japan fortsetzen. Im Februar reisten die Magdeburger erneut nach Edinburgh. Es ging um neue Ziele und Strategien. Engelmann ist sicher: „Noch sind nicht alle Geheimnisse des Vasopressins gelüftet.“
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