Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 30.07.2010
Erneut bewiesen: Obst und Gemüse schützen vor Krebs
Verzehr reduziert Krebserkrankungen des oberen Verdauungstraktes
Wer täglich Obst und Gemüse isst, erkrankt erheblich seltener an Mund-, Rachen-, Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs. Dies ist ein Ergebnis der europaweiten EPIC-Studie über die die Wissenschaftler jetzt in der der Fachzeitschrift "Cancer Causes and Control" berichten. Männer profitieren dabei eher als Frauen von einem solchen Ernährungsverhalten, da die Risikoabsenkung besonders bei Personen mit geringem Konsum zum Tragen kommt.

Obst, Gemüse, Getreideprodukte
Obst, Gemüse, Getreideprodukte
© USDA Obst, Gemüse, Getreideprodukte
Die EPIC-Wissenschaftler um Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke analysierten Daten von 130.633 Männern und 215.271 Frauen, die im Rahmen der EPIC-Studie von 1992 bis 1998 Auskunft über ihre Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände gegeben hatten. Bei der Auswertung berücksichtigten die Forscher alle wichtigen bekannten Faktoren, die das Erkrankungsrisiko für diese Krebsformen beeinflussen, wie beispielsweise den Tabak- oder Alkoholkonsum.

Innerhalb des Nachbeobachtungszeitraums von etwa 5,8 Jahren erkrankten 255 Studienteilnehmer und 97 Studienteilnehmerinnen erstmals an Mund-, Rachen-,
Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs.

Erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Nach den Daten der EPIC-Studie sinkt das Risiko für diese Krebsarten pro 80 Gramm täglich verzehrtem Obst und Gemüse durchschnittlich um neun Prozent. Bei Männern verringerte sich das Krebsrisiko um zwölf Prozent, während es sich bei Frauen um vier Prozent verminderte. Wer jedoch bereits mehr als 300 Gramm verzehrt, kann durch noch mehr Obst und Gemüse sein Erkrankungsrisiko vermutlich nicht weiter senken.

"Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Auftreten der Erkrankung sind bemerkenswert. Obwohl die Zahl der weiblichen Studienteilnehmer deutlich größer war, gab es bei den männlichen Teilnehmern fast zweimal soviel Krebsneuerkrankungen. Ebenso war eine erhöhte Obst- und Gemüseaufnahme bei Männern mit einer stärkeren Risikosenkung verbunden", fasst Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie die Resultate zusammen.

"Ersteres lässt sich vermutlich auf den generell höheren Alkohol- und Zigarettenkonsum der männlichen Studienteilnehmer zurückführen. Letzteres ließe sich durch zwei unserer Beobachtungen erklären. Erstens ist die Obst- und Gemüseaufnahme gerade bei Männern in Nord-, West- und Mitteleuropa gering und liegt unter der Aufnahme von Frauen und zweitens profitieren von einer Verzehrserhöhung hauptsächlich Personen, die sonst nur wenig Obst und Gemüse essen. - Man sollte daher besonders Menschen mit einem sehr niedrigen Obst- und Gemüsekonsum dazu ermutigen, ihre tägliche Verzehrsmenge zu erhöhen.", so Boeing weiter

Alkohol und Zigaretten als Risikofaktoren
Jährlich erkranken weltweit etwa 390.000 Menschen neu and Mund- und Rachenkrebs. Hinzu kommen 160.000 neue Fälle an Kehlkopfkrebs und 412.000 Neuerkrankungen an Speiseröhrenkrebs. Dies entspricht insgesamt elf Prozent aller Krebsneuerkrankungen. Alkohol- und Zigarettenkonsum sind die wesentlichen Risikofaktoren für Plattenepithelkrebs-Erkrankungen (Squamous Cell Cancer) des oberen Verdauungstraktes.

An der Potsdamer EPIC-Teilstudie nahmen 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teil.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Tumore, Verdauungstrakt, Alkohol, Zigaretten, EPIC-Studie, Ernährung
Weitere News zum Thema
Protein aus Bakterien bekämpft Darmkrebs (29.07.2010)
Neuer Therapie-Ansatz stoppt unkontrollierte Zellteilung
Kernkraftwerke: Kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko für Neugeborene (22.07.2010)
Weltweit umfangreichste Studie zu Fehlbildungsraten in der Umgebung von Atomkraftwerken veröffentlicht
Neuer DNA-Heiler identifiziert (09.07.2010)
Ergebnisse der Studie könnten Krebstherapien verfeinern
Stammzellen greifen Hirntumore an (07.07.2010)
Forscher enthüllen Funktionsweise des körpereigenen Schutzmechanismus
Quantum Dots machen Hirntumore sichtbar (05.07.2010)
Forscher entwickeln neuen Fluoreszenzmarker
Suche
Erweiterte Suche
Special
Ölpest im Golf von Mexiko
DOSSIER: Der große Blow-Out
DIASCHAU: Ölkatastrophe Deepwater Horizon
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Der Tod
Tabu und Faszination
News des Tages
Bienen vor dem Aus?
Krebstherapie: Minikapseln mit „Sesam-Öffne-Dich“-Funktion
Elektronen: Spin-Signale erstmals nutzbar
Erneut bewiesen: Obst und Gemüse schützen vor Krebs
Defekte Gene lassen Ohren pfeifen
Warum ist die Walnuss eine Nuss?
Neuer Supercomputer in Garching
Bücher zum Thema
Thema Krebs
von Hilke Stamatiadis- Smidt, Harald zur Hausen und Otmar D. Wiestler
Die Suppe lügt
Die schöne neue Welt des Essens von Hans-Ulrich Grimm
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Top-Clicks der Woche
1. 560-Meter-Asteroid: möglicher Einschlag 2182
2. Quantenmechanik wankt (doch) nicht
3. Erste 3D-Bilder von Satellitenmission TanDEM-X
4. Dunkle Materie im Sonnenkern?
5. Größte Moleküle des Alls entdeckt